Herbst

Herzlich willkommen auf der Internetseite der
Landesarbeitsgemeinschaft für eine andere Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen!

Einleitung

Zusammen mit den Projektpartner*innen hat das Projekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung als Zukunftsaufgabe nachhaltig gestalten“ im Sommer 2021 als Innovationsvorhaben der LAAW.nrw einen komplexen Ausgangsbefund aufgegriffen und als Entwicklungsaufgabe der gemeinwohlorientierten Weiterbildung angenommen. So war und ist festzuhalten:

Den Theorien, Inhalten, Formaten und Umsetzungspotentialen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (kurz: BNE) kommt in Nordrhein-Westfalen eine erfreulich große Bedeutung zu. Mit dem BNE-Landesstrategiepapier 2016-2020, seiner Fortschreibung in der künftigen Landesstrategie „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ oder mit der konzertierten Arbeit der BNE-Agentur und ihren Multiplikations-, Fort- und Trainingsangeboten wird ein Gutteil des Augenmerks der Bildungsstrukturen und der für sie relevanten Partner*innen aus Politik, Ministerien, Bildungsforschung, NGOs und Zivilgesellschaft in Nordrhein-Westfalen aktuell aus wichtigen Gründen auf eine im besten Sinne nachhaltige Bildung für eine nachhaltige Entwicklung gelenkt. Auch im Feld der gemeinwohlorientierten Weiterbildung bzw. Erwachsenenbildung haben sich jüngst Unterstützungsstrukturen und Entwicklungskonzepte etabliert, die die Anliegen und Praxis von BNE in der Weiterbildung stützen und der Bedeutung von BNE auch in der Erwachsenenbildung Rechnung tragen; etwa durch die Angebote der Supportstelle Weiterbildung im QUA-LiS oder durch die fortbildungsgestützten Zertifizierungsprozesse seitens des Gütesiegelverbundes Weiterbildung. Nicht zuletzt ist durch das im Sommer 2021 verabschiedete, neu formulierte Weiterbildungsgesetz NRW (WbG NRW) der Kanon der förderfähigen Weiterbildungsangebote um den Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung erweitert worden.

Zugleich, so das Ausgangsbild zu Beginn des Innovationsvorhabens, lässt sich (nicht zuletzt entlang der Befunde der Weiterbildungsforschung) festhalten, dass das Wissen zur konkreten Umsetzung von BNE-Angeboten in der Weiterbildungslandschaft bislang noch nicht durchgehend in eine handlungs- und konzeptsichere Praxis übergegangen ist. Hier sind Praxishorizonte im Gegenteil sogar noch streckenweise unbeschrieben. Zugleich ist die Neugier der Kolleg*innen in den Weiterbildungseinrichtungen groß; der Bedarf, mehr über gelungene Bildung für nachhaltige Entwicklung zu erfahrbar zu machen, ist zugleich zweifellos enorm. Dies zeigt sich etwa am großen Zuspruch, den die Fachtagungen im Verbundprojekt „Gemeinsam geht es besser! BNE in der gemeinwohlorientierten Weiterbildung vernetzen und weiterentwickeln“ (2018–2021, hier etwa mit seinem Vernetzungsfachtag im Juni 2018) oder das (digitale) BNE-Festival 2021 mit rund 300 Teilnehmenden erfuhren.

Das Innovationsvorhaben der LAAW.nrw hat sich im Sommer 2021 nicht zuletzt unter dem Anspruch auf den Weg gemacht, in der gemeinwohlorientierten Weiterbildung an diese Schritte der Sensibilisierung, Entwicklung und Erprobung von Bildung für nachhaltige Entwicklung anzuknüpfen. Im Detail leitend war hier für die Projekt-Architektur und die Zielperspektiven wiederum ein Befund aus der Weiterbildungsforschung: Dass eines der wesentlichen Hindernisse für eine gelingende BNE-Umsetzung zwar einerseits im Mangel an Wissen über Konzepte, Inhalte und Formate von BNE gesehen wird (Brock & Grund 2020, 11). Dass zugleich allerdings die konkrete Praxis des Weiterbildens – gemeinhin das praktische Tun – sowie alle Formen von Kooperationen ein großer Schlüssel zur Auflösung von Hemmnissen in der Umsetzung von BNE sein können (ebd., 14f.).

Das Hauptanliegen des Innovationsvorhabens der LAAW.nrw widmete sich entsprechend intensiv dieser Beobachtung und nahm Fragen nach der Bedeutung von Kooperation, Kollaboration, Praxis-Austausch, Erfahrungstransfer und letztlich: Fragen und Praxen der Kommunikation in den Blick. Ziel war, den innovativen Gehalt von teilhabe-, gestaltungs- sowie methoden- und rollenbewussten Kommunikationsprozessen als Gelingensfaktoren für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung zu identifizieren, sowie Austausch- und Vernetzungsstrukturen zu schaffen und zu erproben, und zwar konkret:

  • an ausgewählten Beispielen der BNE-Praxis,
  • im Austausch von Akteur*innen unterschiedlicher Erfahrungshorizonte,
  • im kollaborativen Entwickeln von Netzwerkstrukturen und -praxen sowie
  • mit Blick auf erste Schritte zur Entwicklung von Konzepten zur Fortentwicklung von BNE-Inhalten und -Formaten, im Austausch von Expert-*innen, Bildungsreferent*innen und haupt- wie nebenberuflich pädagogischen Mitarbeitenden in Einrichtungen der gemeinwohlorientierten Weiterbildung.

Zur Umsetzung des Innovationsvorhabens hat sich die LAAW.nrw gemeinsam mit drei Projektbeteiligten der Aufgabe gewidmet, in drei Beispielprojekten reflektiert in eine explorative Erprobung einzutreten, den Prozess der Umsetzung der Analyse von Gelingensfaktoren für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung zu widmen und die Ergebnisse am Ende gebündelt aufzubereiten und im Transfer zur Diskussion zu stellen.

Laufzeit: 01.08.2021 bis 28.02.2022

Gefördert wurde das Projekt durch das:

Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW

Projektbeteiligte

Umsetzung der Beispielprojekte

Das LAAW.nrw-Innovationsprojekt gestaltete sich in vernetzter Partner*innenschaft von BNE-erfahrenen, BNE-sensibilisierten (beziehungsweise BNE-kundigen) sowie in BNE-Themen noch ‚neuen‘ Weiterbildungseinrichtungen. Deren Austausch und gemeinsame Analyse von Gelingensfaktoren für eine erfolgreiche, nachhaltige Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung stand im Zentrum der Projektfragen. Diese orientierten sich ihrerseits an der konkreten Weiterbildungspraxis ‚vor Ort‘, die im Folgenden für jeden Projektpartner*innen-Standort ausführlich zu skizzieren ist:

Beispielprojekt des WILA Bildungszentrum

Mit den Projektpartner*innen des WILA Bildungszentrum nahmen Kolleg*innen im Rahmen der Ent-wicklung und Erprobung eines Beispielprojektes am LAAW.nrw-Innovationsvorhaben teil, die seit vielen Jahren ausgewiesene Expertise im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung ihrem Angebotsportfolio zurechnen können. Entsprechend lag der Fokus des WILA Bildungsforum-Beispielprojektes auf Fragen der Multiplikation von Erfahrungsräumen und Lehr-/Lernsettings. Zentral ging es um die Aufgabe, ein BNE-Bildungskonzept zu einem bereits erprobten Projekt (Projekt PikoPark – naturnahe (Park)Gestaltung in Wohnquartieren) zu entwickeln und auszuprobieren. Dabei nahm der Blick auf verschiedene Zielgruppen entscheidenden Raum ein. Zu konzipieren und zu testen waren schließlich Angebote für Erwachsene, Kinder, Jugendliche, Menschen mit Behinderungen sowie Personen und Akteur*innen des Sozialmanagement aus Wohnraum-Bewirtschaftung und der kommunalen (Verwaltungs-)Strukturen.

Das WILA Bildungszentrum hat alle Projektphasen wie geplant umgesetzt. Im Konkreten entwickelten und planten die Kolleg*innen (Koordination: Bernd Assenmacher) drei BNE-Veranstaltungen, die in der Durchführungsphase umgesetzt werden konnten: An drei Tagen, am 30.08.2021, 04.09.2021, 18.09.2021 haben in drei Wohnquartieren auf der jeweiligen PikoPark-Fläche (kleiner naturnaher Park im Abstandsgrün, siehe www.pikopark.de) BNE-Veranstaltungen stattgefunden. Ziel war jeweils, Gelingensfaktoren für BNE zu testen. Inhaltlich ging es darum, Akzeptanz durch Verstehen zu fördern und ein Bewusstsein für die Bedeutung, den Wert und die lokalen sowie globalen Zusammenhänge naturnaher Flächen in der Stadt zu unterstützen. Teilgenommen haben insgesamt 48 Erwachsene jeden Alters und mit verschiedenen sozialen und gesundheitlichen Hintergründen sowie ca. 10 Kinder. Darunter auch Personen aus Sozialmanagement und Wohnraum-Bewirtschaftung sowie kommunale Mitarbeitende.

In den gemeinsamen Online-Workshops der Projektpartner*innen speiste das WILA Bildungszentrum die „auf der Fläche“ erhobenen Erfahrungen in die gemeinsame Auswertung der in der jeweiligen Praxis beobachteten Gelingensfaktoren für BNE ein. Zentral engagiert war das WILA Bildungszentrum darüber hinaus insbesondere in der Vorbereitung und Konzeptionierung der Abschlusstagung sowie im Transferprozess (Koordination der Visualisierung des Projektprozesses durch Anke Averdunk). Zentral unterstützte das WILA Bildungszentrum als Projektpartner*in das gemeinsame Anliegen, die mithilfe der unterschiedlichen Veranstaltungen herausgearbeiteten Gelingensfaktoren für BNE verständlich aufzubereiten und zu verbreiten. Dies konnte mit dem während des Projektes entwickelten und zum Abschluss fertig gestellten Poster „BNE als Zukunftsaufgabe: Gelingensfaktoren für Nachhaltige Entwicklung“ umgesetzt werden. An der Seite des Projektteams der Geschäftsstelle der LAAW.nrw war das WILA Bildungszentrum zentrale Schnittstelle zur Entwicklung der abschließenden Sammlung der Gelingensfaktoren.

Schließlich ließen sich die Ergebnisse des Beispielprojektes durch ihre Präsentation anlässlich der 23. Weiterbildungskonferenz des Wissenschaftsausschusses des 17. Landtages von Nordrhein-Westfalen am 09.03.2022 auch nach Ende der Projektlaufzeit einem breiten Publikum vorstellen. Im Themen-Block „Neue Zielgruppen, Bildungsbedarfe“ fokussierte ein Video-Beitrag von Carola Lehmann die Ergebnisse der zielgruppenorientierten Angebote und ihrer Erprobung im Format der subjekt- und prozessorientierten aufsuchenden Weiterbildungsarbeit.

Beispielprojekt der Akademie Off-Theater nrw

Die Projektpartner*innen der Akademie Off-Theater nrw widmeten sich – als zweites Beispielprojekt im LAAW.nrw-Innovationsvorhaben – ebenfalls nicht zum ersten Mal Fragen, Anforderungen und Zielen ei-ner Bildung für nachhaltige Entwicklung. Mit dem Projekt „Tanztee mit Max – Rocking chairs“ rückte allerdings ein Weiterbildungs-Format in den Fokus der modellhaften Praxis zur Umsetzung eines Weiterbildungsangebots, das nur selten überhaupt Teil der Zielgruppenanalyse von Weiterbildungsnutzer*innen ist: in der Weiterbildung für Senior*innen lebensältere Menschen zu aktivieren, hier insbesondere in Formaten der aufsuchenden Weiterbildung. Entwickelt und erprobt werden sollte nun also ein Angebot aus dem Schnittmengengefüge von BNE, kultureller Bildung und Gesundheitsbildung – von und für Tanzpädagog*innen und Menschen in Einrichtungen für Senior*innen. Damit folgte das Projektvorhaben dem SDG-Baustein „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern“ (SDG 3).

In der Umsetzungsphase von September bis Ende November/Anfang Dezember 2021 konnte die Akademie Off-Theater nrw alle Praxisanteile wie geplant umsetzen. Dies waren zwei Angebote der Weiterbildung in aufsuchendem Format in einer Wohn-Einrichtung für Senior*innen (am 26.11.2021 und 03.12.2021, jeweils in 2 x 45 Minuten-Formaten), unter der Leitung eines Tanzpädagogen. Es nahmen jeweils – entsprechend der Möglichkeiten unter den geltenden Hygiene-Standards in pandemischen Zeiten – 8 Personen teil.
Am 03.12.2021 führte die Projektpartner*in zugleich ein Tagesseminar „Kreativer Tanz und Methodik“ durch, das die Herausforderungen der Tanz-Arbeit mit lebensälteren Teilnehmenden fokussierte. Der Unterricht richtete sich an Tanzpädagog*innen in Ausbildung. An der Fortbildung nahmen 9 Teilnehmende teil.

Die Umsetzungsphase war darüber hinaus gerahmt von propädeutischen und organisatorisch-methodischen Vor- und Nachbereitungsmeetings. Deren Teilnehmenden aus dem Vor-Ort-Projektteam widmeten sich im Oktober und November 2021 an drei Terminen Fragen der Workshop-Organisation (Ablaufplan, Ansprache, Sensibilisierung), der Kooperation, der Weiterbildung als „Dienstleistung“ an Dritten Orten sowie der Wissensvermittlung und Einordnung des besonderen Bedarfs, künstlerische Umsetzungsschritte mit Teilnehmenden zu entwickeln, die etwa mit Einschränkungen aus dem Befundumfeld von Demenz leben.

Weitere drei Meetings im Projektteam am Standort widmeten sich im Dezember 2021 sowie Januar und Februar 2022 im Anschluss an die Umsetzungsphase der Dokumentation des Modellprojektes sowie der Auswertung. Diesem Teil der Projektarbeit widmete sich das Projektteam der Akademie Off-Theater nrw erneut sehr gewissenhaft. Denn es hatte mit der konkreten Projektarbeit mit den Tanzpädagog*innen in Ausbildung sowie mit der Umsetzung der Angebote für Senior*innen ein Format entwickelt, das mit diesen beiden, verschränkten Bausteinen Innovationscharakter hat und entsprechend gründlich begleitet werden muss. Entstanden ist eine ausführliche Beispielprojekt-Dokumentation, die im Austausch im Gesamtprojekt die Auswertung und Verschränkung der einzelnen Beispielprojekte befruchtete.

Fasst man die gewonnen Eindrücke des Teil-Projektes, insbesondere der Praxis-Workshops, in ihrer Wirkung zusammen, kann festgehalten werden, dass die ergebnisoffene Arbeit den Vorteil bot, viel mehr auf die Interessen und Wünsche der Zielgruppe eingehen zu können und somit eine Aktivierung und künstlerische Betätigung in den Fokus zu stellen. Die Teilnehmenden haben durch die Erweiterung ihrer Fähigkeiten und das Entdecken neuer künstlerischer Ausdrucksweisen ihre Selbstwirksamkeit stärken können.

Mit Blick auf „Impact“ und Nachhaltigkeit des erprobten Angebots und seiner Reichhaltigkeit etwaiger Gelingensfaktoren einer BNE lässt sich für das Modellprojekt der Akademie Off-Theater nrw vor allem die künstlerische Kommunikation (hier: Am Beispiel Tanz) als begünstigend ausmachen. Durch das in-den-Kontakt-Treten mit anderen Personen oder einem/einer direkten Tanzpartner*in können Personen im Alter aktiviert und Zugänge zu einem emotionalen und kreativen Umgang mobilisiert werden, wo diese in der Alltagspraxis ihrer Lebenswelten zumeist nicht mehr vorhanden oder stark in den Hintergrund gerückt sind. Die zusätzliche Erfahrung einer erhöhten Selbstwirksamkeit und die physische Aktivierung tragen außerdem zu einem gesteigerten Wohlbefinden der Teilnehmenden bei. Um langfristige positive Folgen zu erzielen, würde sich eine regelmäßige künstlerische Betätigung wie die hier beschriebene empfehlen, um auf den vergangenen Lehrerfahrungen aufzubauen und ein nachhaltiges Lernen noch mehr zu begünstigen.

Als zentral für die strukturelle Ebene des Weiterbildungsangebots, das das Nachhaltigkeitsziel der lebensbegleitenden Gesundheitsförderung vor Augen hat, hat sich das interdisziplinäre Arbeiten erwiesen. Es ermöglicht, sehr verschiedene Zielgruppen zu adressieren (Senior*innen, Tanzpädagog*innen) und Angebote bzw. Projekte bestmöglich auf diese Gruppen und ihre Bedarfe auszurichten. Auch in der praktischen Umsetzung waren das Zusammenspiel und die gute Absprache zwischen künstlerischen, pflegerischen und organisatorischen Akteur*innen essenziell für ein gelungenes Outcome. Eine offene Haltung sowohl auf der Mikroebene während der künstlerischen Arbeit, aber auch auf der Mesoebene in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partner*innen des Bildungs- und Gesundheitssektors können als wichtige Gelingensfaktoren in diesem konkreten Beispiel identifiziert werden.

Beispielprojekt des Bildungswerk des Bielefelder Schulvereins (bibis)

Am dritten Projektstandort, dem Bildungswerk des Bielefelder Schulvereins e.V. (bibis) betraten die Kolleg*innen schließlich in der bewussten, geplanten und konzeptionierten Erprobung von BNE-Inhalten innerhalb ihrer Einrichtungsangebote ganz bewusst Neuland. Ausgangspunkt war hier der Blick auf das Nachhaltigkeitsziel, inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung zu gewährleisten und die Möglichkeiten lebenslangen Lernens für Alle zu fördern (SDG 4). Das ausgesuchte Umsetzungsfeld der Erprobung – die Durchführung von DaF-Angeboten in Form begleiteter, subjekt- und bedarfsorientierter Seminareinheiten (digital, hybrid und analog) – orientierte sich über diese übergeordnete Zuordnung hinweg auch an Fragestellungen weiterer Nachhaltigkeitsziele, die für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung auf der Inhaltsebene eine bedeutsame Rolle spielen, etwa: Umwelt- und Klimaschutz, gerechte und faire Arbeitsbedingungen, Geschlechtergerechtigkeit, nachhaltiges Wirtschaften und Gemeinwohlökonomie u.a.

In der Entwicklung seines Piloten im BNE-Angebotsportfolio entwarf das bibis anhand dieser und anderer ausgewählter BNE-Themen ein Selbstwirksamkeits-Bildungskonzept zu Teilhabe und Integration – eingebettet in den Basis-Rahmen seiner grundständigen Angebote, die DaF-Kurse. Ziel war es, durch die Gewährleistung inklusiver, gleichberechtigter und hochwertiger Bildung Prozesse sozialer Nachhaltigkeit in Gang zu setzen. Zentrales Umsetzungsmoment war hier der Teilnehmendenbedarf, eine kursbegleitende Debattiergruppe einzurichten. Dieses, im Lernstufenprozess fakultative Seminarmodell entstand in den drei Erprobungs-Runden jeweils auf initiativen Bedarf der Teilnehmenden hin, die sich freiwillig und ohne den für Sprachkurse im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ auf so vielfältige Weise begründeten Erfolgsdruck den Seminaren anschlossen. Hier konnten sie ihr in den ‚normalen‘ Sprachkursen erworbenes sprachliches Know-How anhand konkreter, gesellschaftlich relevanter Themen vertieft erproben und in moderierten Debatten umsetzen. Auf diese Weise konnte ein durch Corona-Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und zunehmend auf Frontalunterricht ausgerichtete Onlineformate noch verstärkter Mangel an authentischen Kommunikationssituationen für DaF/DaZ-Sprachlernende soweit möglich ausgeglichen werden. Unterstützend war geplant, bei Bedarf eine Onlineplattform für den gegenseitigen Austausch sowie ein Online-Sprachcafé zum Einsatz zu bringen.

In der Umsetzungsphase des Projektzeitraumes bis Ende Dezember 2021 wurden schließlich drei Debattierkursphasen durchgeführt, welche vom 16.09.–14.10., vom 20.10.–10.11. sowie vom 17.11.–21.12. andauerten. Diese fanden ganz überwiegend online statt und wurden bewusst mit Teilnehmenden unterschiedlicher Sprachniveaus durchgeführt. Inhaltlich gab es auch aus diesem Grunde eine gewisse Variation, welche von tatsächlichen Debatten auf der Basis relevanter Themen (Umwelt, soziale Teilhabe) bis hin zu reiner Kommunikation zur Förderung des freien Sprechens („Treppe oder Aufzug?“, „Leben in der Stadt oder auf dem Land?“) reichen konnte. Rückmeldungen zum Sprachstand fanden, um den Diskussionsfluss nicht zu behindern, in einem gemeinsamen Resümee am Ende jeder Sitzung statt. Die Gruppengröße bewegte sich zwischen 6 und 8 Personen, was der Erfahrung nach, insbesondere in Kombination mit Teamteaching und einer relativen Homogenität des Sprachstandes, eine für Austausch und Lernfortschritt optimale Anzahl darstellt. Ein Onlineportal wurde aus Gründen der Praktikabilität nicht realisiert; dafür erfreute sich aber das Online-Sprachcafé großer Beliebtheit. Aufgrund der hohen Nachfrage seitens der Teilnehmenden wurde Anfang 2022 ein weiterer Debattierkurs ausgerichtet, welcher bis heute mit wechselnden Gruppen fortgesetzt wird.

Gelingensfaktoren

Das LAAW.nrw-Projekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung als Zukunftsaufgabe nachhaltig gestalten. Ein Innovationsprojekt zur Sensibilisierung, Entwicklung und Erprobung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in Einrichtungen der Weiterbildung, vernetzt & partnerschaftlich“ konnte am 24.02.2022 mit einem umfänglichen Projektworkshop mit Projektbeteiligten und Projektpartner*innen zu einem guten Abschluss geführt werden. Auf Basis der prozessorientierten Projektgeschichte blickten die Projektbeteiligten vorläufig abschließend auf die „Gelingensfaktoren“ von Bildung für Nachhaltige Entwicklung zurück: so, wie diese sich in den einzelnen Projektbausteinen und -partner*innenschaften haben identifizieren lassen über die vergangenen Monate hinweg, im Verlauf der Umsetzung der explorativen Projektteile an den Standorten Bonn (Wila), Neuss (Akademie Off-Theater nrw) und Bielefeld (bibis).

Eines der Ergebnisse der Projektarbeit ist:
dass diese praxis-erprobten „Gelingensfaktoren“ sehr stark in Anlehnung stehen zu den sechs Merkmalen von BNE-Lernprozessen, die wir insbesondere aus der schulischen Bildung kennen (Ministerium für Schule und Bildung NRW 2019, S. 14).
Diesen Merkmalen von BNE-Lernprozessen (hier in römischen Ziffern durchnummeriert) möchten wir die für uns relevantesten „Gelingensfaktoren“ (in kursiver Schrift markiert) zur Seite stellen als Stimmen aus der Praxis – wie wir sie im Projekt erproben konnten.

Exemplarisch relevante Fragestellungen bzw. Themen

BNE-Lernprozesse fußen auf „exemplarisch relevante[n] Fragestellungen bzw. Themen“ aus gesellschaftspolitischen Debatten und Zusammenhängen, die beispielhaft stehen für die historische, gegenwärtige und potentiell zukünftige Bedeutung für eine nachhaltige Entwicklung – und die diese aufgreifen, auch in ihren Zeitdimensionen.

Eine erheblich relevante Fragestellung im Sinne dieses ersten BNE-Lernziels ist: „Wie wollen wir heute und in Zukunft leben?“ Damit verbunden ist, dass „miteinander leben“ auch „miteinander (über dieses Frage) kommunizieren“ bedeutet. Kommunikation ist also nicht allein Werkzeug, Medium oder Instrument. Sie ist als Schlüsselprozess und als Wert an sich in BNE-Lernprozessen zu begreifen. Die
Frage, wie wir über BNE sprechen ist also ausdrücklich als Thema anzuerkennen und wertzuschätzen. Darum: Eine gelingende BNE sollte Kommunikation als Aktivität ernst nehmen und ihr Zeit und Aufmerksamkeit einräumen, sie als integrativen und integrierenden Bestandteil einbeziehen. Denn:

Kommunikation bedeutet für BNE auch, dass ihre Inhalte weiter-getragen – also kommuniziert und übermittelt werden. Dass Menschen ihre Blickrichtungen geändert haben, wird weitererzählt, weitergelebt und multipliziert. Gelingende BNE ist im besten Sinne ansteckend.

Voraussetzungen dafür, dass BNE gelingen kann, sind: Informationsklarheit und das bewusste Anliegen, reflektiert zu kommunizieren – über ihre Inhalte, über ihre Methoden, über ihre Reichweiten und Möglichkeiten. Dazu gehört auch die Klarheit darüber, sie sie in einem geschützten Raum stattfinden darf, frei von Leistungsorientierung und Erwartungsdruck. Zugleich darf sie ergebnisoffen sein. Praxisorientierte Zugänge helfen, in kleinen Schritten lösungsorientiert vorwärts zu gehen. BNE muss nicht die Welt an einem Tag retten – über die Grenzen ihrer Möglichkeiten im Austausch zu sein, unterstützt selbstwirksam gestaltete Lernprozesse.

BNE gelingend durchzuführen kann unterstützt werden, wenn wir uns zu ihren Themen an der UNESCO-Roadmap BNE 2030 orientieren, um zu erheben, kritisch zu analysieren und zu reflektieren, was wir eigentlich tun und erreichen möchten. Die SDGs (sustainable development goals) sind hier impuls- und orientierungsgebende Eckpfeiler.

Mehrere Dimensionen

„BNE-Lernprozesse zeichnen sich dadurch aus, dass sie mehrere Dimensionen wie die ökologische, ökonomische, soziale, kulturelle sowie die politische Dimension und ihre Interdependenz berücksichtigen.“

BNE braucht Kommunikationsräume, in denen es möglich ist (Faktor Zeit), Brücken zu bauen. Dann ermöglicht BNE eine multi-dimensionale Betrachtungsweise, ggf. auch in multiplen Bildungspartner*innenschaften, die der Mehrdimensionalität von Inhalten mit Fachkompetenzen gerecht werden. Wenn BNE in den Theorien und Konzepten ihrer Anfänge in den Perspektiven des Globalen Südens ernst genommen wird, kann sie in den Reflexionen des Globalen Nordens auf die die eigenen Privilegien ‚erfolgreich‘ / gelingend Eingang finden. Dann ist das Konzeptuelle von BNE ein Angebot für die Gegenwart und Zukunft.

Multiperspektivische Betrachtungsweisen

„BNE-Lernprozesse sind durch multiperspektivische Betrachtungsweisen“ gekennzeichnet, die auf unterschiedliche Denkweisen, fachliche Zugänge und Narrative, Räume (von lokal bis global), zeitliche Perspektiven und diverse Interessenlagen abheben. BNE-Lernprozesse profitieren von Interdisziplinarität.

Gelingende Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist stark, wenn sie Zeitdimensionen, Raumdimensionen und Transferdimensionen einbeziehen kann, etwa in Fragen wie u.a.:

Wie wollen wir zukünftig leben? Wie wollen wir den Ort, an dem wir leben, in seiner regionalen und globalen Perspektive, zurücklassen?
Was möchten wir weitergeben, was sehen wir als wichtig an, das es künftige Generationen wissen, kennen, hören, wahrnehmen, wertschätzen (Erinnerungsarbeit und Werte- & Wissens-Transfer)? Wie bewerten wir „Fortschritt“ und Entwicklung in historischer Perspektive und in ihrer Relevanz für unsere Gegenwart und künftige Möglichkeiten?

BNE kann stark sein, wenn sie von interdisziplinär besetzten Teams getragen wird. So können multi-perspektivische Zugänge gestaltet werden. Wer auf verschiedene Blickrichtungen auf ein Thema bauen kann, hat es leichter, sensibel für privilegierte Positionen oder unterschiedliche Entscheidungschancen zu sein – und darüber sprechen. Dabei bringen divers besetzte Teams eine Vielfalt mit, auch in der jeweiligen Authentizität derjenigen, die BNE-Lernprozesse zusammen gestalten: in der Umsetzung sowie in der Reflexion darüber.

BNE ist besonders nachhaltig bereichernd, wenn sie interdisziplinär denkt und arbeitet. Denn dann birgt sie Momente des Erkennens von Ähnlichkeiten – über den Tellerrand hinaus. Das setzt Handlungsimpulse, die systemisches Denken umsetzen.

Auf systemischem Denken aufgebaut

BNE-Lernprozesse sind „auf systemischem Denken“ aufgebaut. Ziel ist, sowohl fachliches als auch überfachliches vernetztes Wissen zu erwerben. Dieses systemische Denken soll reflektieren, dass unser aktuelles Wissen und unsere gegenwärtigen Erkenntnisse begrenzt sind und wir uns mit Nachhaltiger Entwicklung in einem Prozess befinden.

Bei BNE geht es nicht um Reproduktion von Wissen. Es geht nicht um ein „Vormachen“ und „Nachmachen“. Vielmehr entsteht der selbsterfahrende Bildungsmoment erst durch bzw. mit der Individualität der Teilnehmenden / der Zielgruppe. Die „Ergebnisse“, das „Lernziel“ von BNE sind entsprechend flexibel. Diese Flexibilität zielt auf die „Freiheit“ ab, vernetztes Wissen selbstorganisiert zu identifizieren und aufzubauen. Darauf Rücksicht nehmen und Bildung entsprechend offen gestalten zu können kann ein Gelingensfaktor von BNE sein.

BNE kann gelingen, wenn der Ausdruck, den sie findet, intrinsisch motiviert ist und individuell entsteht im Erfahrungsmoment der Bildungssituation (und darüber hinaus), wenn sie zur Reflexion anregt.

Wenn BNE gelingt, macht sie ein Erkennen möglich darüber, dass Nachhaltigkeit systemische Dimensionen haben muss, wenn sie etwas bringen soll. BNE hilft zu erkennen, dass alles mit allem zusammenhängt.

Im Austausch Erkenntnisse gewinnen und miteinander überprüfen

BNE-Lernprozesse unterstützen darin zu lernen, wie wir im Austausch Erkenntnisse gewinnen und miteinander überprüfen können, „Diskurse zu führen sowie bei der Entwicklung intelligenter Lösungen kreative Wege zu gehen.“ Dann können BNE-Lernprozesse helfen, Nachhaltige Entwicklung auch dann verfolgen und umsetzen zu können, trotzdem oder gerade weil sie mit „Unsicherheiten, Widersprüchen und Risiken“ behaftet ist, die zu „Zielkonflikten und zu persönlichen Dilemmata führen können.“

BNE ist ein Prozess, in dem im Bildungsmoment das Moment des Fragens und Austauschens zu Antworten, Vergewisserungen und (Selbst-)Wahrnehmungen von zentraler Bedeutung ist. Das Fragen ist insofern als Weg und Ziel von BNE zu begreifen.

Gelingensfaktor für BNE kann sein, es zuzulassen (oder: aktiv zu gestalten), Sichtgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen und zu verändern.

Gelingensfaktor für BNE kann sein, herkömmliche Erwartungen und Wahrnehmungen von „Gewohnheiten“ oder „comfort zones“ zu erfragen / zu hinterfragen. Hier spielt der Blick auf die gewohnten Elemente und Momente der Selbstvergewisserung und Gewissheiten eine große Rolle. BNE müsste hier mutig sein, stabile, etablierte Gewissheiten zu berühren, zu analysieren und kritisch zu befragen (und zu verändern). Hier trifft die Reflexionsebene auf einen zentralen Bestandteil von BNE.

BNE kann gelingen, wenn sie es schafft, kenntnisreich auf alternative Vorschläge zu verweisen. Bzw. diese erarbeiten zu lassen / gemeinsam zu erarbeiten.

Im Wesentlichen eigenverantwortlich und partizipativ angelegt

BNE-Lernprozesse sind im Wesentlichen eigenverantwortlich und partizipativ angelegt. Darin folgen sie Methoden und Arbeitsweisen, die zukunftsgerichtet auf Planungs- und Gestaltungsprozesse ausgerichtet sind.

BNE ist in ihrem Ziel, Handlungsimpuls-Momente für Teilnehmende / Zielgruppen in ihrer Heterogenität differenziert herauszuarbeiten, anspruchsvoll. Für die partizipations-orientierte, nachhaltige Entwicklung von Handlungsimpulsen im Sinne von BNE (d.i.: mit der Zielgruppe gemeinsam, im wachsenden Beteiligungs- und darin bereits Handlungs-Prozess), braucht es Zeit und möglichst leichte Zugänge für die und zu den Teilnehmenden (z.B. kostenfreie Angebote, aufsuchende Bildungsarbeit). ‚Traditionelle‘ Formate der Weiterbildung (Seminare, Kurse) müssten hier passgenau weiterentwickelt werden. Für Entwicklung und zeitintensive Durchführung sind Ressourcen notwendig.

Verhaltensänderungen beruhen auf emotionalen Zugängen, auf Leidenschaften und persönlichem Empfinden, die BNE zum schwingen bringen kann – wenn sie gelingt.

In geplanten Bildungsprozessen gelingt BNE auch bzw. gerade dann, wenn sie teilnehmenden- und prozessorientiert bleiben kann und am Ende Lern- und Bildungsziele vom „Fahrplan“ abweichen dürfen.

23.03.2022 – für das Projekt-Team: Carola Lehmann & Anke Hoffstadt

Online Fachtag

Entgegen der ursprünglichen Planungen musste der Fachtag mit Blick auf die akute Inzidenz-Entwicklung der COVID-19-Pandemie umgeplant werden. Eine Präsenzveranstaltung vor Ort musste zugunsten der gesundheitlichen Sicherheit aller Teilnehmenden, Gäste und Beteiligten sowie in Rücksicht auf die gesellschaftlichen Herausforderungen durch die Pandemie als digitales Format neu geplant werden. Darum konnte die Veranstaltung nicht wie vorgesehen vor Ort, bei den Projektpartner*innen und Gastgeber*innen des Fachtages – der Bildungsstätte Einschlingen (Bielefeld) – stattfinden.

Format

Alle mit der Neuplanung des Fachtags als nun digitales Angebot verbundenen organisatorischen Schritte konnten von der Geschäftsstelle der LAAW.nrw aufgefangenen und umgesetzt werden, sodass am 17.01.2022 ein digitaler Konferenzraum zur Verfügung stand und Moderation und technische Betreuung des digitalen Fachtages auf das online-Format übertragen werden konnten. Alle Projektbeteiligten, Vortragenden und Projektpartner*innen konnten ihrerseits ihre Materialien, Präsentationen und Beiträge auf das digitale Format umstellen bzw. in methodisch angepassten Varianten vorbereiten.

Die Veranstaltung wurde ab Mitte Dezember beworben via digitalem Veranstaltungsflyer an die Kolleg*innen der (BNE-) und Weiterbildungsnetzwerke in NRW und darüber hinaus. Diese zweite Werbungsphase folgte auf eine frühere save the date-Einladung, die seinerzeit bereits seit August 2021 insbesondere die mit der LAAW.nrw auf Landesebene verbundenen Akteur*innen im Feld „Bildung für Nachhaltige Entwicklung in der gemeinwohlorientierten Weiterbildung“ sowie die Mitgliedschaft der LAAW.nrw erreicht hatte.

Die Umstellung auf ein digitales Format der ursprünglich als Präsenzkonferenz geplanten Fachtagveranstaltung erlaubte es dann allerdings, großzügiger um Teilnahme zu werben, als es unter gegebenen Bedingungen vor Ort (Hygienevoraussetzungen, Raumkapazitäten unter „Coronabedingungen“, Anreisebedingungen etc.) möglich gewesen wäre.

46 Personen meldeten sich zur Teilnahme an – darunter Kolleg*innen aus Einrichtungen der LAAW.nrw, von Vertreter*innen von konfessionellen Weiterbildungseinrichtungen in anderer Trägerschaft über Vertreter*innen des Landesverbandes der Volkshochschulen NRW, von Arbeit und Leben DGB/VHS, aus dem Landesverband NRW der Paritätischen Akademie bis zu Teilnehmenden aus dem Bereich Bildungsforschung oder dem Praxisfeld der Pädagogik der Kindheit. Auch Vertreter*innen des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW sowie Teilnehmende der Weiterbildungsberatung und Zertifizierung (Supportstelle Weiterbildung im QUA-LiS NRW, Gütesiegelverbund Weiterbildung) nahmen teil. Dem Fachtag wohnten am 17.01.2022 schließlich konstant rund 36 Personen bei. So ist besonders positiv die Breite der Interessen- und Berührungspunkte der Teilnehmendenschaft mit dem Themenfeld „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ hervorzuheben. Der Fachtag hat hier ein enormes Spektrum an Fachpersonen erreicht und ist seinem Anspruch zu unserer Zufriedenheit mehr als gerecht geworden.

Fragestellungen und Inhalte

Das Konzept des Fachtags folgte zwei wesentlichen, inhaltlichen Strängen: der Präsentation und Gestaltung eines

  • „Werkstatt“-Fensters mit Einblicken in die Projektarbeit der Modell-Partner*innen – dem WILA Bildungszentrum, dem bibis und der Akademie Off-Theater nrw – einerseits und dem Blick auf die
  • Erfahrungsfenster fortlaufender betrieblicher Praxis im Themenfeld andererseits (zu Fragen der Zertifizierung und des whole institutional approach aus der Erfahrung zweier Einrichtungen, dem WeiterbildungsInstitut Ruhr und der Bildungsstätte Einschlingen).

Eingeordnet und gerahmt wurden beide Schwerpunkte durch Analysen und Verknüpfungen in den Fachbeiträgen von Frederike Vogel, als Expertin für Kommunikations- und Projektmanagement in partizipativen Projektkontexten. Einen erheblichen Anteil nahmen außerdem zwei beteiligungsorientierte Austausch-Fenster ein: eine Fishbowl-Runde zu Begriffs-, Haltungs- und Handlungsfragen zu BNE sowie der
Arbeitsgruppen-Austausch zu Gelingensfaktoren von Bildung für Nachhaltige Entwicklung (in der gemeinwohlorientierten Weiterbildung) von gestern, heute und morgen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Praxisblick auf „Bildung für Nachhaltige Entwicklung in der Weiterbildung“ im vorgestellten „Werkstatt-Fenster“ geprägt ist von großer Diversität, allerdings mit dem Vorteil, stark miteinander verknüpft und aufeinander bezogen sein zu können: über die Klammer der 17 Nachhaltigkeitsziele („sustainable developement goals“ der Vereinten Nationen – kurz: SDGs), ihrer Detailschärfe und Entwicklungsstärke, wie sie für die Beispielprojekte angenommen werden konnten.

So richtete der Projektbaustein „BNE als Zukunftsaufgabe. Aufbauend auf dem Projekt: Treffpunkt Vielfalt PikoPark“ (WILA Bildungszentrum, Carola Lehmann) sein Augenmerk auf Gelingensfaktoren von Transfersituationen und -strukturen von Inhalten und Form von BNE, konzentriert auf den BNE-Bereich „Artenvielfalt“ und „Quartiersarbeit“ / „Wohnen“. Im Fokus stand hier die Frage: Wie sind Menschen in der aufsuchenden, gemeinwohlorientierten Weiterbildung erreichbar für das Nachhaltigkeitsziel, dem Klimawandel und seinen Auswirkungen umgehend und konsequent handelnd zu begegnen (SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz)? Welcher Multiplikations- und Transferkompetenzen bedarf es in der Praxis der Weiterbildung?

Mit dem Nachhaltigkeitsziel, inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung zu gewährleisten und lebenslanges Lernen für Alle zu fördern (SDG 4) knüpfte der Projektbaustein „Diese Gruppe lässt meine Zunge sich öffnen – Online Konversationskurs“ (Bildungswerk des Bielefelder Schulvereins – bibis, Samuel Sarji-Blome und Kolleg*innen) an. Im Vordergrund stand hier zu ergründen und zu erproben, wie ‚traditionelle‘ Weiterbildungsinhalte (Sprachkurse, Deutsch als Fremdsprache) an bestehende Konzepte anknüpfen und sie erweitern können um sekundäre Inhalte, etwa das Ziel einer diversitätssensiblen Weiterbildung und Formate selbstgewählter und organisierter Weiterbildungs-Settings. Mit ihrer Werkstatt des Konversationskurs-Vorhabens erprobten die Projektpartner*innen gemeinsam mit den Teilnehmenden den BNE-Bereich „Kulturelle Vielfalt“ – Beispiele aus der Praxis unterstützten dies anschaulich.

Schließlich widmete sich der Projektbaustein „Tanztee mit Max. Gesundheit Lernen für Menschen jeden Alters – Bildung ein Leben lang“ (Akademie Off-Theater nrw und Partner*innen, Ute Plaumann) der Frage, was „Nachhaltigkeit“ im BNE-Themenfeld „Gesundheit“ ausmachen kann. Welche Bedeutung wird etwa in der Weiterbildung der Zielperspektive, Menschen höheren Lebensalters für Inhalte und Formate einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung erreichen zu können, beigemessen? Welchen Logiken der Re-Transfers des Gelernten in eine nachhaltige Gesellschaft werden einbezogen und wie gelingt eine gemeinwohlorientierte Weiterbildung zur Förderung eines gesunden Lebens für alle Menschen jeden Alters und zur Unterstützung ihres Wohlergehens (SDG 3)?

Die Bildungsstätte Einschlingen (Maximilian Köster) und das WeiterbildungsInstitut Ruhr (Christiane Brenk und Wolf Gutzmer) erweiterten die ausgewählten Werkstatt-Perspektiven mit ihren Inputs zu ErfahrungsFenstern auf der betrieblichen Ebene: zur Geschichte und Gegenwart einer Einrichtung, die traditionelle Wege eines „whole institutional approach“ bereits lange eingeschlagen hat und Aspekte der globalen Perspektiven einbezieht (so die Tradition und gelebte Praxis der Bildungsstätte Einschlingen); zum Blick auf den Prozess der Zertifizierung als anerkannte Einrichtung der Bildung für Nachhaltige Entwicklung und auf die damit verbundenen Verständigungs- und Entwicklungshorizonte (wie das WeiterbildungsInstitut Ruhr sie im Zuge der Vorbereitung und Durchführung seiner BNE-Zertifizierung erfahren hat).

Resümee und Ausblick

Der Fachtag ermöglichte mit seinem Programm und Anliegen Einblicke zu gewinnen in ein enorm breites Panorama der Gestaltungsräume und Praktiken einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung einerseits sowie in ihre strukturelle und konzeptionelle Gestalt und Fortentwicklung andererseits. Für beides identifizierten die Teilnehmenden, unterstützt von den Impulsen der Referentin Friederike Vogel, Aspekte der Kommunikation und Verständigungsarbeit als einen bedeutsamen Gelingensfaktor für Bildung für Nachhaltige Entwicklung – auf beiden Ebenen: der Praxis wie der Konzeption, im Austausch miteinander und im parallelen Wirken. So kamen beide Betrachtungsweisen zusammen, gingen auf die Frage des „Was ist Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ von verschiedenen Seiten zu.

In seinem Ausblick orientierte der Fachtag schließlich auf die wachsende Landschaft der BNE-Strukturen, Anknüpfungs- und Entwicklungspotentiale für die gemeinwohlorientierte Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen. Das novellierte WbG NRW wird die Bildung für Nachhaltige Entwicklung durch die Aufnahme von BNE-Inhalten in die Angebotspalette der gemeinwohlorientierten Weiterbildung in NRW künftig unterstützen. Netzwerk-, Beratungs-, Support- und Zertifizierungsstrukturen- und Möglichkeiten stehen dieser Entwicklung zur Seite. Deren Zusammenarbeit und Vernetzung gilt es zu entwickeln und auszubauen. Der Fachtag „Lasst uns reden! Bildung – Nachhaltigkeit – Entwicklung. Eine Frage der Verständigung“ hat für Sensibilisierung und Austausch nachhaltig geworben.

Dateidownloads

Poster
Gelingensfaktoren einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (JPG 5,9MB)
 
Programmflyer
Online Fachtag (PDF 906kB)
 
Präsentationen beim Online Fachtag
Lasst uns reden Part I (Friederike Vogel) (PDF 1,5MB)
Lasst uns reden Part II (Friederike Vogel) (PDF 1,0MB)
Online Konversationskurs (Bildungswerk des Bielefelder Schulvereins) (PDF 1,0MB)
Treffpunkt Vielfalt PikoPark (WILA Bildungszentrum) (PDF 4,1MB)
Tanztee mit Max - Rocking chairs (Akademie Off-Theater nrw) (PDF 617kB)
BNE in Einschlingen (Bildungsstätte Einschlingen) (PDF 3,8MB)
BNE im WIR (WeiterbildungsInstitut Ruhr) (PDF 160kB)